Schwarzwald-Wanderung am 21. & 22. 10.06
Endlich war es soweit, kein Agility-Meeting, nein, ein schönes Wanderwochenende war geplant. Die Einladung hatte mich als Erstmalige sehr angesprochen und es zeigte sich, dass auch die meisten TeilnehmerInnen des letzten Jahres wieder mit dabei waren.
Treffpunkt war der Parkplatz bei der Autobahnausfahrt Rheinfelden Ost. Ich fuhr schon einige KM hinter einem grauen BL-Kombi her und fragte mich, ob der evtl. auch mit auf die Wanderung kam. Aber warum das Herrenfahrrad? Als der Fahrer auch diesen Parkplatz ansteuerte war klar, der ist auch mit von der Partie. Was heisst hier mit von der Partie, es war unser guter Wanderführer Willi Kühnis mit seiner Frau Gret und Dandy in seiner Boxe. Nach der allgemeinen Begrüssung verteilte Willi noch seine Handynummer, damit im Notfall der Kontakt zu ihm hergestellt werden konnte. Tja, den Schluchsee würden wir wohl alle finden, aber dann den Weg nach Glashütte, da war schon ein wenig Insiderwissen nötig. Im Konvoi fuhren wir dann an den Schluchsee. Willi fuhr sehr verantwortungsbewusst und schaute immer, dass er nicht schon einen Verlust zu beklagen hatte. Am Schluchsee vorbei ging’s direkt nach Bonndorf-Glashütte. Zur Freude aller traf nun auch noch Maja von Zürich kommend mit Vicci und Arac ein. Die Hunde mussten in den Autos warten, nachdem sie vorher kurz ihre kleinen Geschäfte erledigt hatten und mit den ersten Gudelis und Wasser versorgt waren. Im Höhengasthof Glashütte nahmen wir einen kleinen Imbiss ein, die Pfifferlinge waren aber auch zu verlockend, die meisten konnten nicht widerstehen und bestellten sich eine der Pfifferlinge-Wochenspezialität.
Georgette hatte vorsorglich Lunchbrötchen geschmiert und wollte eigentlich nichts essen, aber ob sie nicht doch schwach geworden ist, das entzieht sich meiner Kenntnis, da es aus Platzgründe nicht möglich war, Tische direkt nebeneinander zu erhalten. Frisch gestärkt verliessen wir die freundliche Gaststätte und machten uns auf eine schöne Rundwanderung von ca. 6,5 Km länge.
Von der Gaststätte aus gibt es 12 Wandervorschläge, allein 5 Rundwanderungen beginnen direkt beim Gasthaus. Besonders freute es uns, dass auch die ältesten Agility-Damen mit ihren Hunden an dem Wochenende teilnahmen. Sita mit Gill und Georgette mit Gini sagten gleich zu Beginn, dass sie mit uns laufen und dann bei einer geeigneten Stelle wieder umkehren und im Gasthaus Glashütte auf uns warten würden, was sie auch prompt taten. Kein Problem, dort waren sie gut aufgehoben, das macht auch längeres Warten erträglich.
Bea erzählte uns, dass bei der 6,5 Km Probewanderung eine kleine Korrektur am Schluss nötig war, hatten sie doch die vorgeschlagene Route korrekt gelaufen und am Schluss fast im "Sumpf" die Schuhe verloren.
Nicht nur der Sumpf war an der Kürzung der Route schuld, es wurden am Rekognoszierungs-Sonntag ganze 4 Stunden bei strömendem Regen marschiert, da
kann auch die grösste Wanderfreude leiden (nicht bei Allen).
Isa's Border Gissmo musste leider im Auto warten, sein Gesundheitszustand liess keine Wanderung mehr zu. Kurz nach Beginn der Wanderung überquerten wir die Bundesstrasse und anschliessend konnten wir die Hunde völlig frei laufen lassen. Wir machten uns auf den Weg nach Sommerau. Der Weg verlief leicht abfallend und es war angenehm zu laufen. Der Wettergott hatte es gut mit uns gemeint. Die Wandergruppe teilte sich rasch in 3 Grüppchen mit unterschiedlichem Tempo auf. Willi war mit seiner Wanderkarte immer in der ersten Gruppe, aber natürlich hatte auch Bea eine Kopie davon, also konnten wir gar nicht verloren gehen.
Wenn zu Beginn der Wanderung Michèle und Heinz noch Zweifel hegten, ob sie ihren Rocky mit Mops Nemo auch wirklich frei laufen lassen könnten, da konnten sie beruhigt aufatmen, praktisch alle Hunde liefen frei und vergnügten sich zweifelsohne.
Die ganz hartnäckigen wie Bea’s Cisco und Isa’s Quickstep brachten immer ihre Bälle und suchten sich hartnäckig neue "Opfer", damit diese den Ball werfen würden. Aber ihre beiden Chefinnen hatten davor gewarnt, ein Border ist sehr stur und bleibt dann seinem "neuen Opfer" treu und bringt den Ball wieder. Mein Westie Festus lief auch angeregt und munter rum und versuchte mehrmals Cisco den Ball abzujagen. Ha, welch ein Erfolg, als das schliesslich zweimal hintereinander gelang. Man sah buchstäblich wie Festus vor lauter Freude lachte. Cisco war aber auch sehr anständig, er legte sich nur auf die Lauer und wartete eine günstige Gelegenheit ab, seinen Ball wieder zu holen. Nichts desto trotz, auch Ruskie war sehr munter, er lief fleissig zwischen der Wanderspitze und seinem Frauchen Fränzi und Martin hin und her. Kein Anzeichen von Müdigkeit, Fränzi hatte ja noch die Nottragtasche in ihrem Rucksack, aber da wollte Ruski sicher nicht rein - so alt sind wir nun auch wieder nicht. Während der ganzen Wanderung hatte Trudi Jodie oder war es Kiki, an der Leine. Ein Jagdhund bleibt ein Jagdhund und Trudi hatte mit viel Geduld und Arbeit eine gute Leinenführigkeit erarbeitet, da wäre es schade gewesen, das Risiko eines Ausreissens auf sich zu nehmen. Keiner hat gelitten, das Wandern an der Leine kann auch Spass machen. Als ganz besonders munterer Hund ist auch Ilos von Gerti und Robi aufgefallen, der hatte auch überschüssige Kräfte und lief mehr als 6,5 Km. Auch Joya von Claudine und Semi vergnügten sich mit den anderen Hunden. Während der Wanderung sammelte Gret verschiedene Waldspezialitäten wie Tannzapfen, Moos, kleinere Äste, von denen sie wahrscheinlich bereits in Gedanken schöne Arrangements oder sonstige Gestecke bastelte
Maja, neugierig und wahrscheinlich hungrig und gespannt auf das Nachtessen, suchte Pilze.
An der Hummelhütte vorbei - ohne Einkehr notabene wanderten wir wieder zurück an den Ausgangspunkt. Dort wurden wir bereits von Sita und Georgette sehnlichst erwartet.
Wir fuhren nun direkt nach Fischbach zum Hotel Hirschen, wo wir übernachten wollten. Im Hirschen erfolgte die Zimmerverteilung und dann wollten wir zuerst mal ordentlich Kaffee oder ein Bier trinken.
Nicht so Willi, er fuhr nun die ganze geplante Wanderung für Sonntag mit seinem Velo ab, und dies ganz allein. Der Gedanke hatte mir nicht so gefallen, denn was wäre, wenn etwas passieren sollte und wir nicht wüssten wo Willi sich befand. Ich sah schon wieder Gespenster. Handys konnte man glatt vergessen, der Empfang war nur sehr rudimentär, wir befanden uns richtig im Schwarzwald! Fränzi beruhigte mich und sagte mir, ihr Vater hätte sonst keine Ruhe, wenn er nicht die Details der Route genau kenne. Dass Willi ein sehr fürsorglicher und verantwortungsbewusster Mensch ist, das ahnte ich ja, aber die Wanderroute mit dem Rad abfahren, da hätte ich jetzt keinen Mumm gehabt. Aber eben, so kurz nach 16.00 Uhr hatte uns schon der kleine Hunger, besser oder ehrlicher gesagt die Lust gepackt, und wir konnten dem tollen Angebot des Küchenchefs nicht widerstehen, es gab nämlich eine Schwarzwäldertorte mit sehr viel Kirsch. Die 10 Minuten Wartezeit hatte sich gelohnt, man hörte nichts mehr und sah nur noch zufriedene Gesichter. Nach kurzer Abstimmung wurde beschlossen, dass wir um 19.30 Uhr das gemeinsame Nachtessen einnehmen wollten. Die Speisekarte ist typisch für einen guten Gasthof im Schwarzwald. Wer die Wahl hat, der hat auch die Qual.
In der Wartezeit wurden anregende Gespräche geführt und natürlich fanden auch viele Hunde-Fachgespräche statt. Nicht nur Erfreuliches was man zu hören bekam, ein Hundeleben ist ja immer viel zu kurz und oft stehen die Besitzer vor der Entscheidung, lasse ich nun meinen Hund von seinem Leiden erlösen oder gibt es noch Hoffnung resp. eine gute Alternative um dem Hund noch einige Zeit ein artgerechtes Leben zu ermöglichen.
Zwischendurch gingen einzelne Hundebesitzer vor ihre Zimmertüren horchen, denn irgendwo hatte sich ein hartnäckiger Hund das Ziel gesetzt "mein Chef soll endlich ins Bett, sonst kläffe ich weiter". Es war am Abend nicht ganz klar, welcher Hund solche Anstrengungen unternahm um seinen Chef oder seine Chefin ins Zimmer zu lotsen. Beim Frühstück ging dasselbe Spiel wieder los und wir konnten dann Ilos eruieren, aber ob er auch für Samstagabend verantwortlich war, das steht in den Sternen.
Willi liess es sich nicht nehmen, auch von den schönen Tellern Fotos zu machen. Den ganzen Tag über hatte er schon fleissig Bilder geschossen, denn die Webseite will natürlich mit Bildern und einem Bericht "gefüttert" werden.
Nach den letzten kleinen Honigschnäpsen gingen auch die Hartnäckigsten ihre Hunde holen und nochmals an die frische Luft, denn es wurde langsam Zeit, an den Matratzen zu horchen.
Am Sonntagmorgen frühstückten wir gemütlich.
Bine mit ihrer Agnes, Werni und Annie mit Luna sind rechtzeitig im Hirschen eingetroffen, so dass wir kurz nach 10.00 Uhr wieder loslaufen konnten.
Die detaillierte Strecke kann ich leider nicht beschreiben, da diese direkt von Bea und Willi ab der Karte zusammengestellt worden war. Sicher ist, es waren genau 10 Km, weil Willi diese Strecke am Vorabend ja mit seinem Rad abfuhr und einen Zähler hatte. Grob gesagt, liefen wir rund um Fischbach, mit mehrmaligem schönem Ausblick.
Das Wetter war wunderbar, in der Nacht hatte es geregnet und nun dufteten die Wiesen so schön. Wir sind nicht vielen Wanderern begegnet, wenn man bedenkt, wie ideales Wanderwetter war. Sita und Georgette haben nach einer gewissen Zeit wieder umgekehrt und warteten im Hirschen auf uns.
Nach einer gewissen Zeit begann sich unsere Gruppe erneut in kleinere Grüppchen aufzuteilen, die Gespräche waren aber auch zu interessant. Nach einigen Km konnten wir die Spitzengruppe schon nicht mehr sehen und hofften, dass wir uns nicht verlieren würden. Diese waren Profis, sie hatten - ganz nach alter Pfadimanier - Wegweiser aus Holzstücken und einem Robidog auf den Boden gelegt, wenn sich der Weg trennte. Andere machten auf einem Bänklein neben der Kapelle ein Päuschen und genossen die Sonne.
Eine anstrengende und längere Steigung liess uns alle in einem sehr gemächlichen Tempo wandern, was der arme Willi auch sein Rad am Vorabend steil Bergauf stossen musste, ich hatte genug mit mir selber zu tun. Festus lief nun nur noch sehr langsam, ich befürchtete schon, dass ich ihn tragen müsste. Gutes Zureden half und wir wurden am höchsten Punkt der Rundwanderung mit einem wunderschönen Rastplatz belohnt.
Ein Holzhaus, viele Sitzgelegenheiten, grosser Fussballrasenplatz und die Sonne, da konnte man schon ausruhen.
Aber wie es so ist, wenn man schwitzt und dann wartet, da muss man sich warm anziehen. Die Ersten hatten praktisch schon alle Pullover oder Jacken an, als wir endlich anmarschierten. Nun ging es gemäss Wegweiser nur noch ca. 800 m bis zum Hirschen. Wir nahmen die steile Abkürzung und prompt passierte es, als wir auf dem Parkplatz ankamen, fehlte Maja mit ihren Hunden. Es stellte sich heraus, dass sie sich das Nachtessen zusammen suchte - sprich in die Pilze ging.
Ich fragte Willi mehr im Spass, ob er etwa mit dem Rad auch die Abkürzung genommen hatte, was er bejahte. Er ist nicht nur ein ausdauernder Wanderer, er fährt anscheinend auch gut Rad.
Kaum zu glauben, wir nahmen alle noch ein spätes Mittagessen im Hirschen ein.
Zum Teil sogar mit Dessert.
Und das schmeckte so gut, dass sich tatsächlich einige von uns - statt mehr oder weniger - direkt nach Hause (mit einem Honigschnäpsle),
Nochmals ins Restaurant Glashütte begaben, um dort eine gute Meringue zu essen; gemäss Maja sollen diese aber nicht so gut gescheckt haben, wie die im Emmental.
Einen ganz besonderen Dank an die ganze Familie Kühnis, die diese zwei Wanderungen rekognoszierten und auch die administrativen Arbeiten, die von Bea so gut erledigt wurden. Gerne wieder im 2007, mir hat es sehr gefallen!!
Ursula Weber mit Westie Festus